Wasserversorgung für 75 Familien im Indio-Dorf Tolte

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Im Andenhochland von Ecuador müssen Bauernfamilien bis zu 4 Stunden aufwenden, um einen einzigen Kübel Wasser zu ihrem Haus zu bringen. Die nächstgelegene Quelle wird oft von einem Großgrundbesitzer beansprucht.

Mit dem neuen Wassergesetz der Regierung wird aber nun jenen das Wasser zugesprochen, die es zum Trinken benötigen.

Durch die Errichtung einer Wasserleitung von der Quelle zu einem Wasserreservoir beim Dorf wird das Leben dieser Menschen nachhaltig verbessert.

PROJEKT:

Wasserversorgung für 75 Familien im Indio-Dorf Tolte

SUPER-MIKRO:

1501

LAND:

ECUADOR

GEBIET:

Provinz Chimborazo

PROJEKTSUMME:

81.100,- öS

PROJEKTPARTNER:

CEAS, Centro de Estudios y Acción Social, Riobamba

PROJEKTLEITER:

Héctor Santos

BETREUUNG:

ENTWICKLUNGSHILFE-KLUB
Anschrift: Postfach 250, A - 1020 Wien
Adresse: Wien 2., Böcklinstraße 44
Telefon: 01/ 720 51 50
Konto: Erste Bank 424-102-700

DATUM:

März 1998

INHALT:

bulletDer weite Weg zur Quelle oder: "Vier Stunden für einen Kübel Wasser"
bulletDas Recht der Indios auf Wasser
bulletDas Dorf Tolte
bulletUnser Projekt: Wasser für 75 Indio-Familien in Tolte
bulletBenötigte Unterstützung
bulletKarte mit Projektgebiet
bulletBericht 96: Es fließt in weiteren sieben Indio-Bergdörfern
bulletWas bringt es?
bulletSoziale Bewertung des Projekts
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Der weite Weg zur Quelle, oder: "Vier Stunden für einen Kübel Wasser"

"Auf der Hazienda von Señor Teofilo Saenz gibt es einen Bach. Dort holten wir Wasser. Wir mußten aber dafür zwei Tage in der Woche für diesen Mann arbeiten. Wenn wir diese Pflicht nicht erfüllten, wurden wir mißhandelt. Oder man zerbrach unsere Gefäße, in die wir das Wasser einfüllen wollten.

Jetzt gehen wir zum Rio Chibunga. Jeder im Dorf muß einmal am Tag Wasser holen. Manche Leute stehen schon um zwei oder drei Uhr in der Früh auf, um einen Kübel anzufüllen. Für den Hin- und Rückweg brauchen wir vier Stunden."
(Bericht eines Bewohners aus dem Dorf San Isidro)

San Isidro liegt, wie 700 weitere Indio-Dörfer der Provinz Chimborazo, im Andenhochland von Ecuador.

Auch hier wird, wie in den anderen Ländern des Kontinents, die Indio-Bevölkerung seit Jahrhunderten unterdrückt, gedemütigt und an den Rand gedrängt - von den Weißen, aber auch von den Mestizen, die ihre indianische Herkunft verleugnen.

So mußten sich die Indios von den Tälern, die gutes Ackerland und Wasser bieten, immer mehr zurückziehen - in höher gelegene, kältere und ärmere Gebiete.

Hier zu leben, scheint fast unmöglich zu sein, besonders für ein Bauernvolk. Und hier Erdäpfel oder ein anderes Grundnahrungsmittel anzubauen und zur Ernte zu bringen, ist ein Kunststück.

Vielen Familien gelingt dieses Kunststück auf den kahlen und der fortschreitenden Erosion ausgesetzten Hängen nicht mehr.

Die Männer suchen dann anderswo Arbeit, Lohnarbeit, und müssen dabei Ausbeutung und weitere Demütigung hinnehmen.

Zurück bleiben die Frauen und Kinder - mit noch mehr Arbeit und natürlich noch mehr Sorgen. Manchmal wandern auch ganze Familien ab.

Die Verbleibenden helfen einander, so gut dies eben möglich ist und teilen das Wenige untereinander. Trotz allem bewahren sie sich ihre Hilfsbereitschaft, ihre Gastfreundschaft und damit ihre Menschlichkeit.

Manchmal gibt es auch Feste in den Dörfern. Doch die Lieder klingen alle irgendwie traurig, und man hat das Gefühl, daß diese Menschen nicht die Worte haben oder finden, um ihrer Hoffnung Ausdruck zu verleihen.

Doch diese Hoffnung existiert, muß wohl existieren, will man hier jedes Jahr neu den Kampf ums Überleben aufnehmen - oder jeden Tag aufs neue den langen Weg zum Fluß im Tal antreten, um ein bißchen Wasser zu holen. So viel, oder besser: so wenig Wasser, wie man gerade tragen kann.

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Das Recht der Indios auf Wasser

Die comuna, die Indio-Gemeinde, und ihre gewählten Vertreter werden vom Staat anerkannt. Entsprechend dem Wesen und der Tradition der Indios ist die comuna eine sehr demokratische Organisationsform.

Die meisten Wohnhäuser sind recht weit vom Dorfzentrum entfernt, da sich die Familien nur dort ansiedeln können, wo es das schwierige Gelände des Anden-Hochlandes erlaubt und wo es ein bebaubares Stückchen Erde gibt.

Die Straßen und Wege, die ein Dorf mit der nächsten Stadt oder größeren Siedlung verbinden, sind teilweise unbefahrbar. Das erschwert die Vermarktung der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkte. Die Abgeschiedenheit wirkt sich auch nachteilig auf die medizinische Betreuung und den Schulbetrieb aus.

Am schmerzlichsten aber empfinden die Bewohner den Mangel an Wasser, das sie zum Trinken, Kochen, Waschen und für ihre Tiere benötigen.

Manche Dörfer liegen über 3000 Meter hoch, oft höher als das nächstgelegene Quellniveau.

Die Menschen müssen daher einen weiten Weg zurücklegen, um eine Quelle im Gebirge oder einen Fluß im Tal zu erreichen, wo sie das kostbare Wasser in einen Behälter füllen und auf ihren Schultern ins Dorf tragen.

Seit einigen Jahren gibt es in Ecuador ein 'Wassergesetz', wonach alle Quellen, Flüsse, Seen etc. dem Staat gehören. Nach diesem Gesetz muß mit der zuständigen Behörde das Recht auf eine Wasserstelle ausgehandelt werden. Im Streitfall wird jenen das Wasser zugesprochen, die es zum Trinken benötigen. Damit kann vermieden werden, daß Privatpersonen sich Wasserstellen aneignen, und daß Indios dann Erpressung und Willkür ausgesetzt sind.

Eine Veränderung kann sich also nur ergeben, wenn es den Indio-Gemeinden ermöglicht wird, das Wasserrecht auf eine für sie günstig gelegene Wasserstelle zu sichern, und von dort das Wasser zum Dorf und zu den Häusern zu leiten.

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Eine Indio-Familie aus San Jose de Arrayan (vormals Panteonbamba)

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Das Dorf Tolte

Ein malerisches Dorf

Tolte liegt recht malerisch im Andenhochland, erbaut auf einer flachen Ebene, was dem kleinen Dorf einen regelmäßigen, fast geplanten Eindruck verleiht. Die Bezirkshauptstadt Alausi ist 20 Kilometer entfernt, Riobamba 115 Kilometer. Die Straße zum Dorf ist in sehr schlechtem Zustand, was jeden Transport erschwert. Aber es gibt immerhin elektrisches Licht, etwas, was viele andere Dörfer noch nicht haben.

Kleine Felder, karge Ernte

Die Bewohner von Tolte sind alle Bauern. Andere Arbeit gibt es hier nicht. Es werden Mais, Weizen und Grüngemüse angebaut. Die neue Wasserleitung wird die Qualität und den Ertrag des Gemüses sicherlich erhöhen. Der (traditionelle) Gemeinschaftsbesitz des Dorfes beträgt 49 Hektar, die individuellen Felder der Familien sind zwischen 0,5 und 4 Hektar groß. Da der Boden aber karg ist, können die Menschen hier nicht allein davon leben, was die Erde hervorbringt.  Mehr als die Hälfte der Männer arbeiten als Tagelöhner, hauptsächlich in der ecuadorianischen Küstenregion. Sie sind etwa 2 Monate im Jahr nicht zuhause.

Kooperative und Frauengruppe

Trotzdem ist Tolte aber kein sterbendes Dorf, in dem Resignation vorherrscht. Im Gegenteil: Die regionale Kooperative, die sich "Kampf der Armen" nennt und aus ungefähr 30 Personen besteht, ist bemüht, mehr Ackerland zu kaufen, um ein eigenständiges Überleben der Dorfbewohner zu erreichen. Sie werden dabei von der Kirche von Riobamba unterstützt. Und die örtliche Frauengruppe hat ein Kreditsystem aufgebaut, mit dessen Hilfe Anschaffungen getätigt werden und einzelnen in Not geratenen Familien geholfen wird. Traditionell ist ja der dörfliche Zusammenhalt in den Andenregionen sehr groß. Über dieses Finanzierungsmodell wurde durch die Frauen auch das ganze Dorf mit Latrinen ausgestattet – weil aber das Fehlen einer gesicherten Wasserversorgung notwendig ist, um eine effektive und anhaltende Verbesserung der Gesundheit zu erreichen, ließ der Gesundheitszustand der Menschen in Tolte bisher zu wünschen übrig.

Es gibt auch eine Schule im Dorf, die zur Zeit von 65 Schülern und Schülerinnen besucht wird. Die Kinder erhalten hier Unterricht bis zur sechsten Klasse. Außerdem gibt es noch einen Kindergarten und ein Gemeindehaus für die Versammlungen und Feste im Dorf.

Wasser von den Wasserfällen

Das Wasserproblem verschärfte sich hier in den letzten Jahren, da durch die relativ günstige Lage der Gemeinde die Einwohnerzahl zunahm. Geplant ist das Fassen von drei herabströmenden Wasserfällen, danach der Bau der Verteilungszisterne und der Bau der Zuleitungen zum Dorf und zu den Häusern.

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Unser Projekt: Wasser für 75 Indio-Familien in Tolte

Seit Mai 1987 unterstützt der Entwicklungshilfe-Klub die Wasserversorgung in Indio-Dörfern in der Provinz Chimborazo. Bis Ende 1997 konnten wir im Rahmen von Mikro-Realisationen die Wasserversorgung in 44 Indio-Gemeinden im Andenhochland von Ecuador sicherstellen.

Für die nun noch fehlenden Gemeinden sollen die Mittel durch Projekt-Partnerschaften aufgebracht werden, um das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Für die Wasserversorgung eines Dorfes wird eine Hauptwasserleitung vom nächstgelegenen Fluß oder von der nächstgelegenen Quelle zum Dorf geleitet. Das Wasser wird dann in der etwas außerhalb des Dorfes errichteten Zisterne gesammelt, von wo es dann zu den Zapfstellen bei den Häusern gelangt. Eine Zapfstelle ist ganz einfach ein Rohr, das aus dem Boden herausragt und an dem ein Wasserhahn angebracht ist. Manche Zapfstellen werden von mehreren Familien benützt. Meist sind aber die Häuser so verstreut, daß jede Familie eine Zapfstelle bekommt.

CEAS, die Partnerorganisation des Entwicklungshilfe-Klubs, hilft vorerst der betreuten Gemeinde bei den Verhandlungen mit der staatlichen Wasserbehörde. Danach führen die Projektmitarbeiter die technischen Studien durch und erstellen die Pläne.

Im Dorf selbst wird ein Wasserkomitee gebildet. Einige Dorfbewohner nehmen an einem einwöchigen Kurs teil, um die Anlage überwachen und warten zu können.

Die Familien können jeden Tag einige Stunden Wasser beziehen. Die Pumpe bei der Quelle wird täglich in Betrieb genommen, um das Wasserreservoir des Dorfes, die Zisterne, dann wieder aufzufüllen. Die Anlagen sind so konzipiert, daß sie auch in der Trockenzeit täglich etwa 50 Liter Wasser pro Person liefern können.

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Die Dorfbewohner errichten die Zisterne mit der Unterstützung durch CEAS

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Benötigte Unterstützung

Die Kosten für die Wasserzuleitung in das Dorf und die Errichtung je einer Zapfstelle für 75 Familien gliedern sich wie folgt:

Kostenaufschlüsselung:

Zapfstelle, Rohre, Pumpe
Hilfsarbeiten
Materialtransport und Planung
CEAS-Wassertechniker
Gesamt

Beitrag der Kirche
Beitrag der Indiofamilien

erbetene Unterstützung
ohne Förderung durch die EU
143.720,- öS
54.000,- öS
13.200,- öS
28.800,- öS
239.720,- öS

-23.520,- öS
-54.000,- öS

162.200,- öS

Für 75 Familien betragen die Gesamtkosten nach Abzug der von der Ortskirche bereitgestellten Summe und der Eigenleistung der Indiofamilien somit 162.200,- öS.

Da das Projekt von der EU mit 50 Prozent gefördert wird, ist für die Wasserversorgung der 75 in Tolte begünstigten Familien nur ein Beitrag von 81.100,- öS oder 11.585,70 DM erforderlich.

Die Projektgelder kommen über die projektleitende Organisation CEAS in Ecuador zum Einsatz.

Eigenleistung der Bauern:

Die Dorfbewohner verrichten alle manuellen Arbeiten wie das Ausheben der Gräben für die Rohre, die Errichtung der Zisterne usw.

Das Wasserkomitee des Dorfes kassiert monatlich von jeder Familie einen bescheidenen Beitrag. Dieser wird für den Betrieb und die Wartung der Anlage eingesetzt.

Alle Familien werden je nach ihren Möglichkeiten einen Teil der Investitionen im Laufe von einigen Jahren refundieren. Diese Gelder werden dann für die Wasserversorgung anderer Dörfer eingesetzt.

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Karte mit Projektgebiet

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Die Dörfer liegen in der Provinz Chimborazo. Sitz von CEAS ist Riobamba

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Bericht 1996: Es fließt in weiteren sieben Indio-Bergdörfern

EVANETA

Dieses Dorf besteht eigentlich aus drei Teilen, was an der flächenmäßigen Ausdehnung und der großen Distanz zwischen den Häusern liegt. Jedes Dorfgebiet wird durch einen eigenen Wasserfall gespeist.

Bei den Arbeiten stellte sich heraus, daß die Quelle nicht mehr auf Gemeindegebiet liegt. Der Pfarrer und die Behörden mußten intervenieren, da das Nachbardorf die Wasserrechte zunächst nicht teilen wollte.

Doch jetzt stehen 40.000 Liter Wasser pro Tag für das 2700 m hoch liegende Dorf zur Verfügung.

SAN JOSE DE ARRAYAN

Nach San Jose de Arrayan (das früher, bevor hier Arrayan-Bäume gepflanzt werden konnten, Panteonbamba hieß) führt keine Straße. Das Dorf ist nur durch einen einstündigen Maultierritt vom nächsten Ort aus zu erreichen.

Vor dem Projekt hieß es: "Unser tägliches großes Problem ist das stundenlange Wasserholen. Jetzt endlich können wir mithelfen, dieses Problem zu lösen."

Für das Wasserprojekt wurde für jeden der drei Weiler eine Leitung gelegt. Hauptsächlich Frauen haben mitgeholfen, da viele Männer, vor allem die jungen, in die Stadt abgewandert sind.

SHEGLA

Die Leute waren ständig krank, da ihnen nur ein schmutziges Wasserloch zur Verfügung stand, das voller Algen war. Außerdem litten die Menschen unter der Ausbeutung der reichen Landbesitzer und waren sehr scheu und verstört.

Die Behörden ließen die Straße verbreitern, damit nicht zuletzt das Baumaterial geliefert und die Wasserzuleitung angelegt werden konnte.

SAN JOSE DE CAGRIN

Hier oben ist es schon sehr kalt: das Dorf liegt 3450 m hoch.

Doch die 36 Familien haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen und bauen gemeinsam Erdäpfel, Mais und Zwiebel an.

Dank der neuen Wasserleitung können die Anbauflächen bewässert werden. Vor allem die jungen Leute haben sehr viel mitgearbeitet und haben auch nicht mehr die Absicht, abzuwandern.

SHILISHUL

Das Dorf ist nur im Sommer mit einem Fahrzeug erreichbar. Aufgrund der Abgeschiedenheit gibt es hier noch Füchse und Berglöwen.

Dreizehn Jahre lang hat das Dorf um seine Wasserrechte gekämpft. Da die Häuser weit voneinander entfernt sind, war auch die Wasserzuleitung schwierig.

Mit einem Kredit einer Hilfsorganisation wurden 526 Hektar Land gekauft, die nun von den 220 Bewohnern gemeinsam bewirtschaftet werden.

ANGAS

Das Dorf liegt zwar nur 1.200 m hoch, die Errichtung der Wasserzuleitung erwies sich aber als technisch sehr schwierig.

Doch die erfolgreiche Bewältigung hat den Familien, die, wie sie selber sagen, "wie die ersten Christen kämpfen", Mut für die Weiterführung ihrer gemeinschaftlichen Arbeit gegeben.

EL SURAL

Dieses Dorf liegt nur 1.200 m hoch. Es ist warm hier und die Leute sind fröhlich.

Im Sommer gibt es allerdings Wassermangel. Ein Problem, das nun durch gemeinsame Anstrengungen gelöst werden konnte.

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Was bringt es?

"Es ist bedrückend zu sehen, wie die Menschen gezwungen sind, verschmutztes Wasser zu benutzen. Mit den Händen entfernen sie Algen und Schutt aus den Quellen, die auch von den Tieren benutzt werden", schrieb uns der Projektleiter. "Aber die Menschen hier sind sehr aufgeschlossen und wollen an der Verbesserung ihrer Wasserversorgung mitarbeiten."

Hier im Andengebiet von Ecuador wird der Traum vieler Indio-Familien Wirklichkeit: anstelle von stundenlangen Fußmärschen bis zur nächsten Wasserstelle können die Bewohner jetzt direkt vor den eigenen Häusern Wasser holen.

In einigen Dörfern reicht das Wasser nun sogar für die Bewässerung der Felder.

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So sah die Wasserstelle des Dorfes Shegla aus, verschmutzt mit Bakterien, Algen und Tierexkrementen.
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Und hier ein Beispiel für eine neu errichtete Zisterne. Das Wasser kann nun nicht mehr verschmutzt werden.

Was bringt es?

"Zeit" antwortet die Frau auf die Frage, was ihr das Wasser bringen wird.

Nicht nur ihr Mann ist oft monatelang abwesend, auch die Kinder fallen zunehmend als Arbeitskräfte aus: sie gehen in die Schule - denn die Indios wissen, daß man heute ohne Schulbesuch kaum Chancen für die Zukunft hat.

Das bedeutet aber auch, daß die Frauen alleine sind, um auf dem Feld zu arbeiten, das Vieh zu hüten, den Haushalt zu versorgen ...

Wasser im Dorf wird ihnen mehr Zeit für die Familie bringen: zwei oder drei Stunden täglich, die sie nicht mehr ins Tal hinunter gehen müssen.

Der große Tag

Mit einer Mischung aus Zuversicht, Ungläubigkeit und Angst schauen alle auf das Rohr. Zuerst ein Geräusch, dann ein Glucksen, und plötzlich ist es da. Die Versammelten brechen in einen Freudentaumel aus. Die Kinder lassen das Wasser in ihre Hände fließen und trinken. Die Männer nehmen vorweg einen kräftigen Schluck Schnaps und sagen: "Gott vergelte es euch!"

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Soziale Bewertung des Projekts

Verteilung des Nutzens auf die sozialen Gruppen

Die meisten internationalen Entwicklungsinstitutionen bewerten den Nutzen von Projekten, die den unteren Einkommens- und Sozialschichten zugute kommen, höher als den Nutzen von Projekten, die primär die mittleren und oberen Einkommens- und Sozialschichten begünstigen.

Unser Wasserprojekt kommt den Indio-Bauern Ecuadors, der untersten sozialen Schicht des Landes zugute. Die Indios wurden im Laufe der Kolonialisierung von den fruchtbaren Tälern immer mehr in das unwirtliche, kalte Bergland des Chimborazo zurückgedrängt, wo Bodenerosion, Frost und Mangel an Brennmaterial und Trinkwasser das Leben oft unerträglich hart machen.

Einbeziehung der lokalen Bevölkerung

Studien des Entwicklungshilfekomitees der OECD (Organisation für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung) haben gezeigt, daß die aktive Einbeziehung der ortsansäßigen Bevölkerung in die Auswahl, Planung und Durchführung von Entwicklungsprojekten eine Grundvoraussetzung für ihr Gelingen ist. Wenn die Betroffenen das Projekt nicht ganz verstehen oder mit seinen Zielen nicht völlig einverstanden sind und wenn sie nicht zum aktiven Mitwirken gewonnen werden können, ist es unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Damit sich die lokale Bevölkerung mit dem Entwicklungsprogramm identifiziert und das Projekt als das ihre betrachtet, hat es sich auch als vorteilhaft erwiesen, Benutzungsgebühren einzuführen, die zumindest die Kosten des laufenden Betriebs abdecken.

Beim vorliegenden Wasserprojekt muß die Initiative von der Dorfgemeinschaft der Indios ausgehen. Damit ist sichergestellt, daß den Menschen nicht etwas aufgeschwatzt wird, was für sie entbehrlich ist. Die Dorfbewohner werden in die Planungsphase miteinbezogen, sie verrichten selbst alle manuellen Arbeiten und bilden ein Wasserkomitee, das für die Anlage verantwortlich ist. Das Komitee hebt auch die finanziellen Beiträge der Benutzer ein. Diese Gelder werden für den Betrieb und die Instandhaltung der Anlage verwendet. Wenn das Dorf nicht zu arm ist, wird auch ein Teil der Errichtungskosten zurückgezahlt, damit in der Folge weitere Gemeinden unterstützt werden können.

Vorsorge für das Weiterfunktionieren der Anlage nach Projektabschluß

Mehrere Mitglieder jeder Gemeinde nehmen an einem einwöchigen Kurs teil, um sich die nötigen Kenntnisse für das Überwachen und Warten der Anlage anzueignen. Für Reparaturkosten werden laufend finanzielle Beiträge eingehoben.

Besondere Berücksichtigung der Situation von Frauen

Angesichts der besonders tristen Lage der Frauen in den Entwicklungsländern hat sich u.a. das Entwicklungshilfekomitee der OECD das Ziel gesetzt, die Frauen stärker in den Entwicklungsprozeß einzubinden und bei der Projektvorbereitung, -durchführung und -evaluierung vermehrtes Augenmerk auf die Verbesserung ihrer Lebensumstände zu legen.

Unser Projekt wird diesem Kriterium voll gerecht, da es vor allem die Frauen in den Dörfern sind, die das Wasser für den täglichen Bedarf herbeischaffen müssen und daher mit dem Bau der Wasserleitung entlastet werden.

Die Auswirkungen auf den Gesundheitszustand

Erfahrungen zeigen, daß Wasser beim Transport und der meist unsachgemäßen Lagerung (fehlende Abdeckung der Wasserbehälter) verschmutzt bzw. durch Insekten verseucht wird. Als Folge davon treten verschiedene Krankheiten auf.

Unser Wasserprojekt in Ecuador trägt zur Verbesserung des Gesundheitszustandes bei, weil:
bulletdas Wasser nicht mehr verschmutzt wird,
bulletmehr Wasser zur Verfügung steht und damit auch die Körperhygiene und die Reinigung von Geschirr und Wohnraum verbessert werden kann,
bulletdie schwere Arbeit des täglichen Wasserholens, die Schäden der Wirbelsäule hervorrufen kann, entfällt,
bulletdie Frauen durch die eingetretene Arbeitsersparnis mehr Zeit für die Kinderbetreuung, die Landwirtschaft und für andere Interessen haben.

Die Verbesserung der gesundheitlichen Situation der Indios ist angesichts ihrer vergleichsweise niedrigen Lebenserwartung sowie überdurchschnittlich hoher Säuglings- und Kindersterblichkeit besonders wichtig. Dies gilt umso mehr in Anbetracht der mangelhaften medizinischen Versorgung infolge der Abgeschiedenheit der Indiodörfer.

Auswirkung auf die Migration

Die aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen erzwungene Abwanderung von Menschen aus ihrer Heimat ist mit vielen sozialen Problemen verbunden. Projekte, die den Abwanderungsdruck vermindern, müssen daher als besonders nützlich angesehen werden, zumal damit das in Lateinamerika allgegenwärtige Problem der Slumbildung nicht zusätzlich verstärkt wird.

^ Zur Inhaltsangabe

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Seiten-Anfang | © chevara-stiftung and ejw | 30.07.2014