Aufforstung in der Indio-Gemeinde
Santa Lucía im Anden-Hochland von Ecuador

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Im Andenhochland von Ecuador können viele Bauernfamilien aufgrund der sich verstärkenden Erosion des Bodens kaum noch ihr Auskommen mit ihrer Landwirtschaft finden. Wind und Regen tragen die fruchtbare Krume davon.

Ohne Hilfe wären sie gezwungen, in die Slums der Städte abzuwandern.

Aber es gibt eine Alternative: die Wiederaufforstung ihres Lebensraumes ist der Schlüssel für das Überleben in der hochgelegenen Heimat dieser Menschen. Jedes neue Bäumchen bedeutet eine neue Hoffnung.

PROJEKT:

Aufforstung in der Indio-Gemeinde Santa Lucía
im Anden-Hochland von Ecuador

SUPER-MIKRO:

1492

LAND:

ECUADOR

GEBIET:

Region San Isidro

PROJEKTSUMME:

72.000,- öS

PROJEKTPARTNER:

CEAS, Centro de Estudios y Acción Social, Riobamba

PROJEKTLEITER:

Héctor Santos

BETREUUNG:

ENTWICKLUNGSHILFE-KLUB
Anschrift: Postfach 250, A - 1020 Wien
Adresse: Wien 2., Böcklinstraße 44
Telefon: 01/ 720 51 50
Konto: Erste Bank 424-102-700

DATUM:

April 1998

INHALT:

bulletDie Folgen der Waldzerstörung
bulletDie Probleme der Indios
bulletUnser Projekt: Aufforstung in Santa Lucía
bulletBenötigte Unterstützung
bulletKarte mit Projektgebiet
bulletDie Rückkehr des Waldes
bulletDie Indios und das Holz
bulletVon unten nach oben
bulletEcuador: Das Land und die Indios
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Die Folgen der Waldzerstörung

"Der Reisende, der die Provinz Chimborazo von Norden nach Süden oder umgekehrt durchquert, erkennt sofort, wie sehr das Gebiet gerodet wurde.
Zu beiden Seiten der Straße ist das Land ausgetrocknet und karstig. Nichts wächst dort.

Ich glaube, daß das nicht immer so war. Wenn man nämlich mit den Alten spricht, so erzählen sie, daß es in der Provinz, als sie Kinder waren, viel "sacha", d.h. ausgedehnte Waldzonen gegeben hat."

So erzählt Ciro Cazar, der nunmehr pensionierte, langjährige Leiter der Entwicklungshilfe-Organisation CEAS.

Einer der wichtigsten Gründe für den umfassenden Kahlschlag war der Bau der Eisenbahn zu Beginn dieses Jahrhunderts – man brauchte Holz für die Schwellen, und die Lokomotiven brauchten Holz als Brennstoff. Erst als nichts mehr da war, stieg man auf den Treibstoff Öl um.

Ein weiterer Grund für das Verschwinden der Bäume waren die Anbaumethoden in der Landwirtschaft. Um Ackerland zu erhalten, wurde an die vorhandenen Baumbestände ganz einfach Feuer gelegt. Brandrodung ist bequem und einfach zu bewerkstelligen.

Der Boden wurde ausgelaugt und die Humusschichte erodierte, und schließlich entstand dort, wo es früher gesunde Wälder gab, unfruchtbares Ödland.

Nun ist das Land über weite Strecken trocken und sandig. Stürme wirbeln den Sand auf und verursachen riesige Staubwolken. Auf den steileren Hängen gibt es nur noch Felsen.

Die Regenzeit ist kurz und die Niederschläge sind heftig. Das Wurzelgeflecht der Bäume ist nicht mehr da und kann die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Die niedergehenden Wassermassen schwemmen die unbefestigte Erde davon und schneiden Furchen und Schluchten in die Landschaft.

Es entstehen sogar regionale Klimaveränderungen: Die Regenfälle verringern sich zunehmend und es kommt zu noch längeren Trockenperioden – die Verödung breitet sich weiter aus.

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Das Land ist verkarstet. Trockenheit und Winde herrschen vor.

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Die Probleme der Indios

In der Provinz Chimborazo, im Zentrum von Ecuador, sind 75 Prozent der Bevölkerung Indios. Ihre Verarmung begann mit dem Raub ihres Landes durch die Spanier. In die Berge abgedrängt, pachteten sie kleine Parzellen von einem Grundbesitzer und mußten dafür fünf Tage in der Woche für ihn arbeiten.

Eine Landreform kam nie wirklich zustande, aber immerhin sind die Kleinbauern nun Eigentümer der kargen Felder, die sie bebauen. Wirklich guten Boden gibt es nur in den Flußtälern, aber der gehört weiterhin den reichen Großgrundbesitzern.

Die meisten Dörfer der Indio-Bevölkerung liegen in jenen 60 Prozent der Provinz Chimborazo, die offiziell als Ödland oder Wüste eingestuft sind. Die Siedlungen liegen bis nahezu 4.000 Meter hoch.

Bittere Kälte, wiederkehrende Trockenperioden sowie der Mangel an Brennmaterial und Trinkwasser begleiten die Existenz der Indio-Bauern. Um ihre Existenz zu sichern, verkaufen die Bauern etwas Obst und Gemüse und auch Eier. Vor allem bestellen sie aber mit einfachen Holzgeräten den noch bebaubaren Boden im Umkreis ihrer Siedlungen. In den tiefer gelegenen Gegenden wird Mais angebaut, sonst gedeihen nur Erdäpfel.

Angesichts der Maishalme, die in manchen Jahren kaum einen halben Meter hoch wachsen, oder der verschrumpelten Erdäpfel, die sie aus dem Boden holen, verlieren viele Familien die Hoffnung.

Durch die Erosion des Bodens nimmt der Ertrag der Felder immer weiter ab. Und die fehlenden Bäume bedeuten nicht nur das Fehlen von Brennholz, sondern auch das Fehlen von Biomasse zur Düngung der Felder, das Fehlen eines natürlichen Wasserspeichers für die umliegenden Felder und damit Ausdehnung der Trockenperioden, nahezu unerschwingliche Bauholzpreise für Wohnung und Stall usw.

Die Abwanderung in die großen Städte, und das heißt natürlich, in die Slums der großen Städte, ist dann der letzte Schritt der Entwurzelung.

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Die Erosion des Bodens zerstört den Lebensraum der Indios nachhaltig.

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Unser Projekt: Aufforstung in Santa Lucía

Vor über 25 Jahren hat die ecuadorianische Entwicklungshilfe-Organisation CEAS (Centro de Estudios y Acción Social) begonnen, Aufforstungsprojekte mit den Indios des Anden-Hochlandes durchzuführen. Das war anfangs nicht leicht, denn die Indios hatten noch keinen Begriff vom Nutzen, den ihnen die Wälder bringen. Sie wußten noch nicht um die Zusammenhänge zwischen dem Wald und dem Boden - der Erosion, dem Wasserhaushalt und der Fruchtbarkeit ihrer Felder.

Mit einer intensiven Kampagne brachte CEAS die notwendigen Informationen in die Dörfer und erklärte die ökologischen Zusammenhänge. Heute ist das Aufforstungsprogramm unter den sonst scheuen Indios anerkannt – die Aufforstung ist für die Bauern des Hochlandes zu einem ihrer wichtigsten Anliegen geworden.

CEAS geht dabei folgendermaßen vor:
bulletDorfversammlungen und Gespräche in kleineren Gruppen dienen dazu, zu erklären, wie Erosion entsteht und wie die Bäume dazu beitragen können, diese zu verhindern und den Boden wieder zu verbessern.
bulletDiese Motivationsarbeit erfolgt mit speziellem geschlechtsspezifischem Zugang, um Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen in das Projekt zu integrieren. Jeder soll das Gefühl haben, daß das auch sein Projekt ist.
bulletDie Ausbildung wird laufend durchgeführt. Begonnen wird mit den Leitern einer Gemeinde, die zweimal eine Woche pro Jahr im Ausbildungszentrum von CEAS das nötige Fachwissen lernen und es dann weitergeben.
bulletNach einem Lokalaugenschein wird geklärt, wo Bäume angepflanzt werden sollten und welche Baumart je nach Beschaffenheit und Feuchtigkeit des Bodens am besten geeignet ist.
bulletEs werden Besuche von anderen Aufforstungsprojekten durchgeführt, um die Motivation der Gemeinde zu steigern.
bulletCEAS produziert in der eigenen Baumschule Setzlinge und sorgt auch für den Transport an eine Stelle möglichst nahe dem Aufforstungsbereich.
bulletDas Projekt wird drei Jahre lang betreut - Treffen und Ausbildungen der Dorfbewohner, Hilfe beim Beschneiden, Durchforsten und Lichten etc.

In Santa Lucía, einem Indio-Dorf mit 300 Einwohnern, haben sich die Bauernfamilien dazu entschlossen, ihr Gemeindegebiet mit 60.000 Setzlingen aufzuforsten. CEAS berichtet, daß neben den positiven ökologischen Wirkungen des Projektes auch zu erwarten ist, daß es zu einer Stärkung der Gemeindestruktur, der traditionellen comuna kommen wird.

Die entstehenden bewaldeten Flächen erfüllen dann in Santa Lucía mehrere Zwecke. Das Wasser rinnt nicht mehr ungebremst die Hänge hinab und schwemmt dabei nicht mehr die ohnehin spärliche Ackererde weg bzw. wird die Krume nicht mehr vom Wind davongeblasen, der entstehende Wald speichert die Feuchtigkeit in der Regenzeit, das Sammelholz kann als Brennmaterial genutzt werden, die entstehende Biomasse steht zur Düngung und damit Aufbesserung des Ackerbodens zur Verfügung, und nach einigen weiteren Jahren kann Bauholz, das sonst nur schwer erschwinglich ist, für die Häuser und Ställe der Dorfbewohner kostenlos aus dem eigenen Wald geholt werden.

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Benötigte Unterstützung

Jede der 50 Familien in Santa Lucía soll dabei unterstützt werden, ihren Lebensraum aufzuforsten.

Für einen Setzling wird dabei ein Zuschuß von umgerechnet 1,20 öS (~8 Cent) benötigt.

Diese Summe deckt die reinen Produktionskosten für ein Bäumchen. Die Kosten für die Informationsarbeit, die weitere Betreuung, den Transport der Setzlinge, die Personal- und Betriebskosten der Baumschule von CEAS in Riobamba werden anderweitig aufgebracht.

Das Geld wird dazu benötigt, den Indio-Bauern Setzlinge zu einem erschwinglichen Preis anbieten zu können. Ohne diesen Zuschuß wären die armen Indios nicht in der Lage, die Aufforstung ihres Lebensraumes zu erreichen.

Eigenleistung der Indios:

Die Indios zahlen dann pro Setzling umgerechnet ca. 35 Groschen (~2 Cent) – ein Betrag, den sie sich leisten können.

Daß die Bäumchen nicht einfach gratis abgegeben werden, hat sich im Laufe der Arbeit von CEAS als sinnvoll herausgestellt, da die Indios die entstehenden bewaldeten Flächen dann als ihre eigenen betrachten und sich damit kontinuierlich um ihren zukünftigen Wald kümmern.

CEAS transportiert die Setzlinge ins Aufforstungsgebiet, und die Indios pflanzen die Bäumchen selbst.

Die Dorfgemeinschaft, die comuna in Santa Lucía benötigt 60.000 Setzlinge, um ihr Gemeindegebiet aufzuforsten.

Bei dem Betrag von 1,20 öS, der als Zuschuß erbeten wird, ergibt sich damit eine Gesamtsumme von 72.000,- öS (Ich habe 63.000 öS = 9.000 DM überwiesen).

Mit diesem Betrag kann das Überleben der Indios in ihrer Heimat nachhaltig gesichert werden.

Das Aufforstungsprojekt lief von 1985 bis 1987 und von 1990 bis 1997 mit großem Erfolg als Mikro-Realisation. Durch die Umwandlung in Super-Mikros kann nun die Patenschaft für den Wald eines ganzen Dorfes übernommen werden. Es soll insgesamt 12 weiteren Dörfern geholfen werden.

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Karte mit Projektgebiet

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Die Dörfer liegen in der Provinz Chimborazo. Sitz von CEAS ist Riobamba

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Die Rückkehr des Waldes

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Der Lebensraum der Indios ist gebirgig

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Der neue Wald soll diese Erosion stoppen

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Die Baumschule in Riobamba

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Die Bäumchen werden gemeinsam gepflanzt

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Die Erde wird nicht mehr davongeschwemmt

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Der Boden bleibt fruchtbar

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Die Indios und das Holz

Die Schweizer Ethnologin Dr. Monika Gräf, eine Mitarbeiterin des Entwicklungshilfe-Klubs, über die sich wandelnde Beziehung der Indios zum Holz:

Welche Bedeutung hat das Holz traditionell für eine Bauernfamilie im Andenhochland?

Schauen wir uns einmal an, für welche Zwecke eine Indiofamilie das Holz der Bäume verwendet:

Wichtig ist das Holz als Brennmaterial in der Küche oder für die Herstellung von Tongefäßen. Dieses Holz wurde in den höher gelegenen Regionen gesammelt, die keine Bedeutung mehr für den Anbau oder als Weideland hatten. Die hoch-gelegenen Regionen sind das unbewohnte Land, das Land der Geister - im Gegensatz zum Land der Menschen, auf dem die Feldfrüchte wachsen. Der Wald verjüngte sich dort von selbst, ohne daß der Mensch selbst etwas dazu tun mußte. Das ging gut, solange das Holz nur für den Eigenbedarf eines dünn besiedelten Gebietes gebraucht wurde.

Für andere Zwecke fand Holz kaum Verwendung, denn die Hütten oder Häuser sind aus Lehmziegeln (Adobe), die an der Luft getrocknet wurden. Gelegentlich findet man noch Wände aus lehmbeworfenem Flechtwerk. Das Dach ist aus Stroh - und selbst dort, wo Ziegeldächer Eingang gefunden haben, benötigt man nur wenige Stangen für das Gerüst. Eine hölzerne Haustüre findet sich allerdings überall. Koch- und Eßgeschirr sind aus Ton, heute auch aus Metall - aus Holz hat man nur die Löffel geschnitzt. Möbel gibt es in einem indianischen Haus keine: kleine niedrige Schemel oder auch eine Bank genügen als Mobiliar; Töpfe und Eßschalen stehen in Nischen in den Wänden; geschlafen wird auf dem Fußboden auf Stroh oder auf geflochtenen Matten.

Die Nachfrage nach Holz ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen.

Das Holz hat also sehr geringe Bedeutung in der traditionellen indianischen Kultur des Andenhochlandes - anders als Keramik oder Textilien.

Heute ändert sich dies allmählich. Viele Familien haben ein oder zwei Betten, einen Tisch, ja sogar Stühle. Der Einbau von Fenstern in die früher fensterlosen Häuser erfordert Holz für Fensterrahmen, und oft findet man heute bereits einen Bretterfußboden, wo früher der Boden nur aus gestampftem Lehm war.

Die Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß der Bedarf an Holz immer weiter zugenommen hat - nicht zuletzt auch durch den steigenden Brennmaterialbedarf einer wachsenden Bevölkerung. Der Verkauf von Brennholz war zudem oft eine Einnahmequelle, stieg doch auch der Bedarf der Kleinstädte an Brennmaterial, sodaß das mühsame Sammeln sich lohnte.

Mais zu pflanzen haben die Indios seit Jahrhunderten praktiziert und vervollkommnet. Darin sind sie uns weit voraus. Bäume zu pflanzen aber lernen sie erst jetzt. In Anbetracht dieser Tatsache ist es mehr als bemerkenswert, daß sie in einem Zeitraum von nur wenigen Jahren vom "passiven" Holzsammeln zum aktiven Bäumepflanzen übergegangen sind!

Sie haben wohl begriffen, daß auch die Bäume - ebenso wie die Feldpflanzen - Teil der ökologischen Kreisläufe sind.

Dieser Wandel wurde durch das vom Entwicklungshilfe-Klub unterstützte Projekt eingeleitet und trägt nun zur Existenzsicherung der Indio-Gemeinden im Andenhochland von Ecuador bei.

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Von unten nach oben

"Wir freuen uns, daß jemand von euch einmal länger bei uns bleibt", sagte Projektleiter Ciro Cazar.

Doris Schoissengeier vom Entwicklungshilfe-Klub blieb 1993 zwei Wochen und hatte Gelegenheit, viele Eindrücke vom Aufforstungsprogramm zu sammeln, mit dem der Entwicklungshilfe-Klub Indio-Dörfer im Andenhochland der Provinz Chimborazo unterstützt.

Vorerst ging es zur neuen Baumschule in Riobamba. Doris:

Das neue Grundstück liegt tiefer als das alte. Früher gab es immer Wasserprobleme, hier sorgen mehrere Quellen oberhalb des Geländes das ganze Jahr für ausreichend Wasser.

Es werden sowohl einheimische, wie auch importierte Samen verwendet. Piniensamen zum Beispiel kommen aus Chile. Diese sind zwar sehr teuer, die Bäume wachsen jedoch auch noch in einer Höhe über 3500 Meter und werden zur Bepflanzung des Paramo, des Ödlands, verwendet.

Die CEAS-Baumschule ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Es kommen Besucher aus Bolivien und anderen Ländern, um Erfahrungen zu sammeln. Weiters gibt es Schulungen für Bauern aus anderen Provinzen Ecuadors. Eine kanadische Organisation hat Mittel für die Errichtung eines Schulungszentrums bereitgestellt.

Dann ging es mit dem Auto hinauf in die Berge, zu den Indio-Siedlungen.

Die Setzlinge werden normalerweise abgeholt. Wenn Pflanzen jedoch für Gemeinden bestimmt sind, die keine Transportmöglichkeiten haben, stellt CEAS zu. Allerdings ist es fast nicht mehr möglich, dies kostenlos zu machen, da die Treibstoffpreise sehr gestiegen sind und heuer (1993) nochmals angehoben werden sollen.

Die Bergstraßen sind nicht viel breiter als das Auto und werden nach Regenfällen immer wieder verschüttet. Das letzte Stück zu einem der Dörfer konnten wir erst zurücklegen, nachdem die Männer den Weg wieder freigeschaufelt hatten.

Die Ankunft eines Autos in den Bergdörfern ist ein Ereignis, das Entladen der Setzlinge ein Volksfest.

Wir brachten 2500 junge Bäume, die zur Anpflanzung rund um das Dorf vorgesehen waren. Bereits vor einem Jahr wurden Pinien gepflanzt, die nun bereits 70 bis 80 Zentimeter hoch sind.

An einem anderen Tag führte man Doris in ein Gebiet, in dem CEAS bereits seit zehn Jahren tätig ist.

Wir kamen zum Wald von San Vincente und man erzählte mir, daß dieses Gebiet vorher vollkommen kahl war.

Mitten im Wald gibt es eine Musterlandwirtschaft, wo zur Verbesserung des Bodens Komposterde verwendet wird, die bei der Verwertung von Gras, Stroh und verschiedenen Abfällen entsteht. Hierher werden auch die Bauern geführt, die zur Einschulung nach Riobamba kommen. Und von hier aus nehmen sie die Botschaft mit nach Hause, zu den anderen Indio-Bauern in den kargen Dörfern: Aus Ödland kann wirklich gutes Ackerland werden!

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Ecuador: Das Land und die Indios

Ecuador zerfällt in drei sehr verschiedene Landschaften: die hohen Berge der Anden, den tropischen Küstenlandstrich im Westen und die Regenwälder am Amazonas.

Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt im Hochland, die wichtigste Gruppe darunter sind die Quechua-Indios. Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zur Ankunft der spanischen Eroberer beherrschten die Inkas das Land. Mit dem Einsetzen der Kolonialisierung wurde die Bevölkerung dezimiert und ihre gesellschaftlichen Strukturen zerstört.

Die Spanier besiedelten besonders das Hochland. Sie eigneten sich besonders das gute, fruchtbare Land an. Die Eingeborenen mussten unter sehr schlechten Bedingungen für die spanischen Großgrundbesitzer arbeiten.

Im 19. Jahrhundert wurde Ecuador von Spanien unabhängig. Das Land war nun eine Republik. Die Eingliederung in die Weltwirtschaft begann. Die wichtigsten Erzeugnisse waren Kakao, Kaffee, Reis und später Bananen.

Nach einer Zeit der Militärherrschaft erhielt das Land eine demokratische Verfassung nach dem Muster der USA. Aufbau von Kapital, Modernisierung der Landwirtschaft und Wachstum der Städte kamen vor allem den Reichen zugute. Es entstand eine kleine, wohlhabende und konservative Gesellschaftsschicht.

Man setzte mehrfach zur Landreform an, die aber nie konsequent durchgezogen wurde. Viele Bewohner des Andenhochlandes, die sich dort nicht mehr ernähren konnten, wanderten ab in die Slums der Städte. Etwa eine Million Quechua-Indios leben aber noch in den Bergen, in einer Seehöhe von 2.000 bis 3.800 m.

Ursprünglich konnten sie mit ihren Familien in ihren weit verstreuten Siedlungen mit etwas Viehwirtschaft und der Bebauung ihrer kleinen Felder ihr Auslangen finden. Sie bauten Kartoffeln, Bohnen und Gerste an.

Nun sind sie zu ausgebeuteten Arbeitern auf den riesigen Haciendas herabgesunken. Sie versuchen zwar, sich in kleinen Gemeinschaften, den comunas, zu organisieren, aber es fehlt an Unterstützung von außen.

Das staatliche Erziehungswesen erreicht sie kaum. Ein Drittel der Kinder zwischen sechs und elf Jahren können keine Schule besuchen. Und wenn sie doch in eine Schule gehen können, scheitern sie oft an der ihnen fremden Unterrichtssprache Spanisch, den fremden Lehrern, die sich mit ihnen keine Mühe geben und den Unterrichtsmitteln, die aus einer für sie fremden Welt stammen.

Es ist nicht leicht, die schwierige Lage der Quechua-Indios zu verändern. Und doch gibt es immer wieder Ansätze und Möglichkeiten, der Hoffnungslosigkeit entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit sind die Bäume - die Symbole des Lebens – die den Indios helfen sollen, wieder Wurzeln zu schlagen.

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Nach oben ] Wasserversorgung im Indio-Dorf Reservas de Cumanda, Ecuador ] [ Aufforstung in der Indio-Gemeinde Santa Lucía im Anden-Hochland ] Trinkwasserversorgung für 75 Familien im Indio-Dorf Tolte, Ecuador ] Wasserversorgung für Shabasnay, Ecuador ] Trinkwasserversorgung in Jesus del Gran Poder,Ecuador ]

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Seiten-Anfang | © chevara-stiftung and ejw | 30.07.2014